Private Krankenversicherung

Beitragskalkulation der PKV

Eines der großen Probleme in Deutschland ist der demographische Wandel. Im Umlageverfahren der GKV werden die Einnahmen direkt für die Leistungsausgaben verwendet, es werden keine Rückstellungen für das Alter gebildet. Die höheren Kosten der Älteren müssen dabei von den Jüngeren mitfinanziert werden. Es wird keine Vorsorge für die demographische Entwicklung getroffen. Die Beitragshöhe richtet sich in der GKV nach dem Einkommen. In der PKV sorgt jede Generation für die höheren Kosten im Alter vor, da die Beiträge nach dem Kapitaldeckungsverfahren berechnet werden. Dabei werden die über die gesamte Versicherungsdauer zu erwartenden Kosten im Beitrag bereits berücksichtigt. In jungen Jahren werden so durch einen Sparanteil Alterungsrückstellungen aufgebaut, die zur Finanzierung der höheren Ausgaben im Alter dienen.

1. Nachhaltige Kalkulation

In der privaten Krankenversicherung werden die Beiträge von Anfang an mit einem Sparanteil, der sogenannten Alterungsrückstellung, berechnet. Damit ist der Beitrag zunächst höher als es zur Deckung der Krankheitskosten (Leistungsverlauf) erforderlich wäre. Aus den anfangs nicht benötigten Beitragsteilen wird die Alterungsrückstellung aufgebaut und mit dem aktuellen Rechnungszins verzinst. Mit zunehmendem Alter sind die anfallenden Leistungen höher als der zu entrichtende Beitrag; die Differenz wird durch die aufgebauten Rückstellungen ausgeglichen. Seit dem Jahr 2000 wird zusätzlich ein gesetzlicher Sicherheitszuschlag i.H.v. 10% des Beitrags erhoben, welcher bis zum 60. Lebensjahr zu bezahlen ist. Die angesparten Mittel werden bis zum 65. Lebensjahr weiter verzinst und dienen anschließend zur Deckelung notwendiger Beitragsanpassungen.

Schematisches Modell der Beitragskalkulation in der PKV

Schematisches Modell der Beitragskalkulation in der PKV

2. Aggressive Kalkulation

Beiträge sind nie zu hoch, sondern wenn überhaupt, zu niedrig! Was oftmals völlig übersehen wird, sind die Sparanteile in den Kollektiven, die bei zu optimistischen Annahmen einen zu niedrigen Anfangsbeitrag aufweisen. Je niedriger der Beitrag desto optimistischer ist kalkuliert worden. Das hat für den Kunden eine fatale Auswirkung, weil dieser die vermeintliche Ersparnis später vollständig nachzahlen muss. Der Nachteil der Kalkulation nach Art der Lebensversicherung, also mit der Bildung von Alterungsrückstellungen, besteht darin, dass Fehler in der Kalkulation vom Kunden auszugleichen sind. Je später dieser Umstand zum Tragen kommt desto höher ist der Nachzahlungsbetrag und umso kürzer ist der Zeitraum, in dem nachgezahlt werden muss. Das nennt man dann eine „Beitragsexplosion“. Fazit: Je niedriger der Anfangsbeitrag desto niedriger der Sparanteil, desto stärker steigen die Beiträge.

Aggressive Kalkulation

Schematisches Modell der Beitragskalkulation in der PKV bei aggressiver Kalkulation

3. „Großzügige“ Risikopolitik

Nicht nur zu niedrige Anfangsbeiträge führen im Verlauf bzw. spätestens im Rentenalter zu stärker steigenden Beiträgen, sondern auch eine zu optimistische Risikopolitik der Anbieter. Hierbei werden aus Sicht des Versicherers leichtfertig „Risiken“ bzw. Versicherte mit entsprechenden Diagnosen gezeichnet, welche von nachhaltig orientierten Versicherern abgelehnt werden. Zum Ausgleich des erhöhten Risikos werden oftmals zu geringe Risikozuschläge genommen. Was den Versicherten zunächst freut, wirkt sich negativ auf die gesamte Kalkulation bzw. den sogenannten Schadensverlauf des Versichertenkollektiv aus – die Kosten laufen davon. Die Zeche bezahlen dann die jeweiligen Versichertenkollektive. Die Entscheidung für einen nachhaltig kalkulierenden Versicherer mag an dieser Stelle anfangs teurer sein – bietet jedoch langfristig eine höhere Planungssicherheit.

Großzügige Risikopolitik

Schematisches Modell der Beitragskalkulation in der PKV bei „großzügiger“ Risikopolitik

Fazit

Bei der Auswahl einer privaten Krankenversicherung ist neben der vertraglichen Leistungszusage (AVB´s) ebenfalls zu prüfen, ob der Versicherer mit aggressiv kalkulierten Existenzgründer-/Billigtarifen oder auch einfach „Lockangeboten“ arbeitet. An dieser Stelle sollte man sich fragen, welches Klientel gezielt angesprochen bzw. versichert wird. So unterschiedlich die Ausrichtung des Versicherers, so unterschiedlich die Beitragsentwicklung im gewählten Tarif. Der Schadensverlauf eines Kollektivs aus Beamten ist nicht mit dem zu vergleichen, welches überwiegend aus Handwerkern bzw. Akademikern besteht. Weiterhin ist der wirtschaftliche Erfolg des Versicherers anhand der Kennzahlen zu prüfen – wie geht ein Versicherer mit den Kundengeldern um? Welche Rechtsform weist ein Versicherer auf? Eine Aktiengesellschaft (AG) muss schließlich die Interessen ihrer Aktionäre befriedigen – ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (V.V.a.G.) ist nur seinen Mitgliedern verpflichtet. Diese Informationen erhalten Sie jedoch nur von einem fachkundigen Spezialisten. Deshalb sollten Sie keine Schnellschüsse machen und sich bei Ihrer Entscheidung entsprechend Zeit nehmen. Sollten Sie nach Ihrer Entscheidung das Gefühl haben, auf einem „toten Pferd“ zu reiten, dann steigen Sie lieber ab bzw. wechseln Sie das Pferd.

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